Gattung
Orchesterstück
Besetzung
4 Vokalsolisten, Sprecher, Sprecherin, Ud-Spieler, Chor Orchester: Streicher, 3-fach Holz, 4 Hörner, 3-fach Blech, Tuba, Pauken, 3 Schlagzeuger, 2 Harfen.
Dauer
70 Minuten

Gedanken zum Werk

Durch Vermittlung eines Freundes bekam ich Kontakt zur syrischen (yesidischen) Journalistin Düzen Tekkal, deren Berichte von der I. S. – Front mich stark bewegten. Navid Kermani stellte mir den Kontakt zu einem syrischen Kloster her, das seine Aufgabe in der Versöhnung des Christentums mit dem Islam sieht. Von dort führte mich meine Textsuche zur Gedichtsammlung „Innenansichten aus Syrien“, in der ich drei von den sechs Texten fand. Es geht im ersten (gesprochenen) Text um schonungslose Schilderung des Terrors, der das syrische Leben bestimmt. Wie ein Leitmotiv kehrt der Ruf „Laß mein Volk leben!“ häufig wieder, allmählich zum Schrei gesteigert. Bedrohlich und nach und nach immer deutlicher wird das musikalische Geschehen von Kriegsgeräuschen begleitet (gestopftes Blech und Schlagzeug), eine „Unmusik“, die gegen Ende wie das Bellen eines Höllenhundes wirken soll. Einzig während eines Gebetes (Sopran-Solo, Text von SAID) schweigt die Kriegsmaschinerie.

Im Folgenden beschwört ein Kämpfer (Bass-Solo) in Vorahnung seines Todes das Bild seiner Mutter, die ihrerseits nach seinem gewaltsamen Ende ihren Sohn beklagt.

Liturgische Gesänge aus der syrisch-orthodoxen Kirche kontrastieren auf zunehmend dramatische Weise mit den Kriegsgeräuschen. Eine äußerst erregte Tenorstimme besingt das heimatliche Syrien wie eine geliebte Frau. Gehetzt von Todesangst und umgeben von Vernichtung stimmen alle Solisten und der Chor ein; alles gipfelt in dem zum Himmel gerichteten „Laß dein Volk leben“. Da überwältigt die Brutalität des Krieges jede menschliche Stimme: ein Tamtam-Schlag (fff) läßt die Musik aus extremer Höhe in grauenvolle Tiefe stürzen.

Nach langem Schweigen rezitiert eine syrische Sprecherin auf Arabisch Koran, Sure 2, Vers 115. Die Solisten greifen die letzte Zeile in arabischer Sprache auf, worauf der Chor in Goethes Übersetzung den Hymnus anstimmt: „Gottes ist der Orient/Gottes ist der Okzident/nord- und südliches Gelände/ruht im Frieden seiner Hände.“ Mit den Worten Frieden-Salam endet das Werk.

Alle deutsch gesungenen oder gesprochenen Texte werden von einer Sprecherin auf Arabisch wiederholt, während ein Ud-Spieler frei improvisiert.